Helsinki

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Der Norden war bloss noch eine vage Erinnerung. Nichts, von dem man mit lauter Stimme erzählt, weil die Bilder allmählich verblassen und sich einordnen zwischen Gehörtem, Gelesenem und Fiktivem. Nebel über Blau, Brücken, die das Grün verbinden und weiche Wiesen, die den Lärm verschlucken. Zwei Strassen, die in eine münden, Pflastersteine unter den Füssen und eine Kirche, so stolz und schön, dass man sie länger als andere ansehen muss. Und Jussi, der nicht da war, wie verabredet und dann neben dem Bahnhof im Park sass. Selbstverständlich und ohne Reu. Wir verblüfft ab so viel Selbstverständlichkeit aber nicht enttäuscht. Das nicht. Und doch sind wir geblieben, länger als an anderen Orten im Norden. Und Tallinn haben wir besucht. Und als wir doch ein bisschen wehmütig in die Fähre Richtung Westen stiegen, haben wir uns nochmals umgedreht und die Boote gezählt. Jeder leise, jeder heimlich. Jetzt, fast sechs Jahre später ist alles anders und doch erkenne ich viele Details ganz genau. Nicht die Strassennamen, den die kann ich mir auch nach dem wiederholten Mal lesen und einprägen, nicht merken. Aber die Bilder der rauen See, die satten Farben und das Gefühl. Ein wehmütiges Schaukeln der Erinnerung und der Gegenwart – hin und her, hin und her bis sie sich vermischen.

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Between the Seasons – Marrakech

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Herbstgefühl

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Dass du fehlst, merke ich dann, wenn ich mir sage, dass ich mir die Details merken muss, damit ich dir später davon erzählen kann.

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Spring in the City

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Blues

In diesen Strassen, in der Alltagshektik und Montagsblues zusammenlaufen, fällt der Grenzstrich zwischen Dächern und Himmel zu ziehen besonders schwer. Die Gesichter gegenüber in der Srassenbahn wirken blass und mürrisch, trotzdem versuche ich ein Lächeln zu erwidern. Und warte bis zum Ausstieg vergebens. Ein Blick auf die Uhr erklärt Zeit, doch nicht die Stimmung. Denn ob morgens oder abends, sie ist seit Wochen gleich. Diese farblose Decke erdrückt Gemüter gleichwohl wie die Natur unter grauem Nass erstickt. Der Trost sitzt im Schoss einer schläfrigen Mutter und kaut warm eingepackt auf einer Plastikfigur herum. Ein Zahn ist zu erkennen. Nichtsahnend von der einfallslosen Abfolge monotoner Tage, die auf Nachwuchs warten. Da kommt schon ein wenig Eifersucht auf. Denn draussen fliesst der Asphalt über zu Fassaden und gesichtslosen Männern in Anzügen – doch immerhin Ton in Ton. Wer nur diese Idee hatte. Erfolglos suche ich ein Farbspiel, ein aufmunterndes Wort oder eine erhellende Melodie. Aber jegliche Individualität scheint in diesem charakterlosen Gemälde zu versinken. Und dann hoffe ich, dass meine Mutter in dreissig Jahren noch in farbigen Hosen und Tigerprint-Mantel auf Rolltreppen steht und fremden Menschen begeistert zur Schwangerschaft gratuliert. Und wir übermütig durch die Nächte tanzen. Aber auf dem Nachhauseweg nicht vergessen, neon-pinke Herze auf fremden Briefkästen zu hinterlassen. Damit im Morgengrau wenigstens ein Muster bleibt.

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Absurdität

Publiziert, Februar 2013

Im Lokalmagazin zum Thema: Wo ist Heimat?

London

Man sagt ja bekanntlich, man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Aber wie weiss man, dass dieser Zeitpunkt gekommen ist? Ich wusste es nicht. Trotzdem musste ich mich irgendwann entscheiden, wollte ich nach eineinhalb Jahren in London bleiben, ein neues Abenteuer beginnen oder in die Schweiz zurückkehren und ein einigermassen geordnetes Leben annehmen. Ich entschied mich für Zweiteres, ein Bauchgefühl. So sass ich zwei Tage vor Weihnachten morgens um 7 in einem Taxi Richtung City Airport. Während der gesprächige Pakistani von seinem Bauernhof in der Ferne erzählte, genoss ich den letzten Blick auf den vorbeiziehenden Big Ben, das London Eye und sagte schliesslich auch bye bye zur Tower Bridge.

Das erste, was mich Bekannte nun fragen, ist, wie London gewesen sei und ob ich nun in der Schweiz bleiben werde. Ich antworte dann immer, dass es eine tolle Erfahrung war. Ein Leben, welches ich am liebsten noch ein wenig hinausgezögert hätte. Aber ja, ich sei zurück. Vorerst.

Das vorerst, spreche ich meistens nicht laut aus. Hätte ich genügend Möglichkeiten, würde ich bald wieder meine Koffer packen und in die nächste Grossstadt reisen. Denn Lernen ist letztlich nichts weiter als eine Reise in ein unbekanntes Land. Eine Reise, auf welcher man sich aus dem gewohnten Umfeld hinaus bewegt und sich mit Neuem, Andersartigem konfrontieren lässt. Eine Reise in ein Abenteuer, welches, wenn man es begreift und zu seinem Vorteil nutzt, nur Gewinn bringen kann.

So machte ich mich vor 18 Monaten auf eine unbekannte Reise nach England auf. 18 Monate, welche mich als Person mehr formten, als die letzten zehn Jahre zusammen. Das was ich am Leben in London am meisten schätzte, ist, dass sich eigentlich niemand schert, was man tut oder lässt. Man eignet sich Gewohnheiten an, die einem in der Heimat nicht mal im Traum einfallen würden. Ich hörte mich Sätze sagen wie: es kennt mich hier ja niemand oder es interessiert ja sowieso keinen Menschen. Doch in einem Dorf wie Unterägeri, wo man sich täglich grüsst, wo man nicht nur den Nachbaren beim Namen kennt, fühlte ich mich manchmal ein wenig beobachtet. Ich ertappte mich, wie ich mich der Masse unbewusst anpasste und Dinge unterliess, weil es sich nach allgemeinem Tenor nicht gehörte. Aber was gehört sich denn? Interessant fand ich dann meine Ansichtsänderungen, als ich mich unbeobachtet fühlte. Plötzlich machte ich Dinge, die ich mir zu Hause in der Schweiz nicht vorstellen konnte. Zum Beispiel ging ich öfters im Trainer, ein Pyjama ähnliches Modell, einkaufen. Das kam öfters vor, meistens nachdem ich es mir abends zu Hause bereits gemütlich gemacht hatte und feststellte, dass kein Kaffee mehr da war oder die Milch leer. Oder ich setzte mich alleine in ein Cafe oder Restaurant, zwar nicht im Trainer, aber ohne so zu tun, als würde ich auf jemanden warten. Ich las ein Buch oder schrieb auf meinem Laptop mit einer Tasse Tee und hatte einen Moment für mich allein. Denn niemand drehte sich mitleidig nach mir um, weil ich ohne Begleitung da war. Auch wollte mich kein Kellner schnellstmöglich loswerden, weil ich einen Vierertisch blockierte, man setzte einfach unkompliziert neue Gäste mit an den Tisch. So ist das in London, das Café wird zum kollektiven Wohn- und Arbeitszimmer. Jeder für sich und doch unter Menschen.

Oder ich liess mich von Strassenkünstlern in ein Gespräch verwickeln und fand mich Stunden später mit derselben Person beim Kaffee Trinken wieder, wo wir über unsere Herkunft und die Welt philosophierten. Hier wäre das unmöglich oder zumindest ein wenig absurd. Doch ich genoss diese Absurdität, dieses andersartige Leben und diese Anonymität – zumindest für eine Weile.

Nirgendwo anders habe ich auf eine so wundervolle Weise erfahren, wie Menschen miteinander funktionieren. Wie verschiedene Kulturen, Religionen, Hautfarben, Gender- und Altersgruppen ihre Bedeutung verlieren und zu einem Ganzen verschmelzen. Sie leben nicht nebeneinander, sie leben miteinander: In Geschäften, in Cafés, in Wohnungen, in Schulen, in Tanzgruppen, an Märkten, in Strassen – in London.

Es war ungemein schön zu sehen, wie ein Zusammenspiel funktioniert und vor allem wie gut es funktioniert. An Märkten wurden englische Spezialitäten neben afrikanischen und mexikanischen angeboten und war man in Not, so wurde einem eine Hand gereicht – egal welche Farbe diese hatte. Es gab eine Zeit, da lebte ich mit sieben verschiedenen Nationalitäten in einem Haus und es war meine beste Zeit überhaupt. Nie habe ich mehr gelacht, getanzt, gekocht oder mehr über die Welt gelernt wie damals – und das alles in einer fremden Sprache.

Doch irgendwann kam der Augenblick, wo ich ein wenig müde wurde und genug hatte von dieser Rastlosigkeit in der Anonymität. Und so gerne ich weggehe und vereise, auch für länger, so gerne komme ich danach immer wieder zurück. Aber jedes Mal reicher an Erfahrungen, mit gesammelten Eindrücken und Freundschaften, die sich mittlerweilen über den ganzen Globus erstrecken. Ich könnte womöglich an vielen Orten glücklich werden, doch schliesslich ist es mehr ein Gefühl, eine Sehnsucht, die einem fortbewegt oder zurückholt. Denn Heimat ist dort, wo das Herz dich hinführt, wenn der Kopf nicht mehr weiss, wo Norden ist.

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Wien

Wien

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